Quo vadis, Automobil?

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Quo vadis, Automobil?

Eine Kolumne der FH Salzburg
Christian Neureiter, Forscher und Lehrender am Studiengang Informationstechnik & System-Management der FH Salzburg und Gründer der Successfactory Systems Engineering GmbH
Foto: Successfactory Group

Foto: Successfactory Group

Die Verfügbarkeit von Mobilität gilt als wesentliche Säule moderner Gesellschaften. Insbesondere unsere individuelle Mobilität ist ein lieb gewonnenes Gut, sie bedeutet Freiheit und gibt uns Möglichkeiten. Herzstück hierbei ist immer noch das eigene Auto.
Eine sich verändernde Welt zwingt uns aber, dieses Konzept auf den Prüfstand zu stellen. Umweltbedenken („Dieselfahrverbot“), veränderte Strukturen im urbanen Raum und demographischer Wandel erfordern Veränderung. Diese wird getragen von den drei technischen „Megatrends“ Vernetzung, Elektrifizierung und autonomes Fahren. Eine Vorschau auf die damit zur Verfügung stehenden Möglichkeiten können wir bereits in Serie erleben: Das automatische Notrufsystem „eCall“ (Fahrzeug aktiviert nach Unfall selbstständig die Rettungskette) ist seit März 2018 verpflichtend für alle Neuwagen in der EU vorgeschrieben, moderne Stauassistenten, wie jener von Audi, erlauben bereits ein großzügiges Delegieren von Fahraufgaben und ganz allgemein, Elektromobilität ist im Straßenverkehr präsent wie nie zuvor.
Kombiniert man nun diese Trends und denkt einen Schritt weiter, ergeben sich Fahrzeugflotten von autonomen, elektrisch betriebenen Fahrzeugen, die uns auf Knopfdruck sicher von A nach B bringen. Das Konzept solcher Flotten ist insofern spannend, als sich die System-Grenzen verschieben und nicht nur das Produkt „Auto“ betroffen ist.
Der Roll-Out einer elektrischen Fahrzeugflotte würde einen rapiden Anstieg elektrischer Fahrzeuge bedeuten, worin Chance und Herausforderung zugleich stecken. Insbesondere der Infrastruktur, wie z.B. dem Stromnetz, kommt hier eine wesentliche Bedeutung zu. Eine enge Integration von Fahrzeugen und Stromnetz ist unumgänglich – so könnte z.B. ein Teil der Speicherkapazität einer solchen Flotte als Puffer für erneuerbare Energien verwendet werden.
Ein weiterer nicht zu vergessender Faktor ist die Bedeutung für die Automobilindustrie, welche speziell in Europa die Rolle einer Schlüsselindustrie einnimmt. Im Kontext von Fahrzeugflotten könnte das Markenversprechen („Image“), das insbesondere für deutsche Hersteller das höchste Gut ist, an Bedeutung verlieren. Möglicherweise gewinnt die Fähigkeit einer Flotte, sich möglichst gut an die vorhandene Infrastruktur einer Stadt „anzuschmiegen“, an Bedeutung im Wettkampf zwischen den Herstellern. Somit würden Fähigkeiten im Bereich der Produktionstechnik (Stichwort „Industrie 4.0“) zum essentiellen Wettbewerbsvorteil. Eine Fähigkeit, die zu erlernen durchaus schmerzhaft sein kann, wie man am langwierigen Anlauf der Tesla Model 3 Produktion erahnen kann.
In jedem Fall gilt, „old economy meets new economy“ und die gesamte Automobilbranche, inklusive der zahlreichen Zulieferer, befindet sich im Umbruch. Der stattfindende Digitalisierungs-Prozess wird zweifelsohne Gewinner und Verlierer hervorbringen. Entscheidend hierbei wird die Anpassungsfähigkeit der Konzerne und Ingenieure sein. Diese müssen nicht nur lernen, neue Technologien zu beherrschen, sondern auch systemisches und vernetztes Arbeiten über Disziplinengrenzen hinweg („Systems Engineering“ ) in den Vordergrund zu stellen.
Klingt alles nach Zukunftsmusik? Mitnichten. Gerade wurde der Testbetrieb einer Robo-Taxi Flotte für 2019 in Kalifornien genehmigt. Die Betreiber Daimler und Bosch behalten sich vor, den Testbetrieb auf weitere Städte auszuweiten…

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