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Mini-Sportler, Maxi-Fun

Wer kann sich noch an den ersten VW Golf GTI erinnern? Der Kompakt-Sportler wurde zum Kult, zum Trendsetter mehrerer Autogenerationen. Seine 110 PS markierten damals eine neue Art des Fahrerlebnisses, das man heute nur mehr in diversen Modellen der Kleinwagenklasse wiederfindet.
Ein Artikel von René Herndl

Gleich vorweg: Der heutige Golf GTI hat nichts mehr mit einem kompakten Kleinwagen zu tun – zu groß ist er inzwischen geworden, zu schwer und auch mit üppiger Motorisierung nicht mehr das, was er einst war, nicht nur, weil er für die jungen Autokäufer zu teuer und zu bieder ist. Und um bei VW zu bleiben – der Up! GTI und sein größerer Bruder Polo GTI sind in die Fußstapfen des Ur-GTIs gestiegen.
Dessen Statement jugendlicher Fahrfreude ist aber eher jenen 115 PS des aufgemotzten Up! gleichzusetzen als den 200 Pferden im Polo, der schon eher die Grenze des Spaß-Segments markiert.
Und auch die hyper-motorisierte Variante des Audi A1, der S1, stellt sich mit 231 PS als verkleinerte Form der perfektionierten Art der Fortbewegung größerer Klassen dar. Da fehlt irgendwie ein gewisser Abenteuer-Spaß-Faktor, wie er bei vergleichbarer Größe etwa beim Seat Ibiza Cupra zu finden ist. Wenn schon mehr als 200 PS oder knapp darunter, dann erfüllt der Mini Cooper S oder der Works wohl am ehesten die ideale Kombination aus purer Freude und üppigem Ausstattungsangebot, wohl auch, weil hier ein unmittelbarer Kontakt zur Straße und eine kernige Gangart gekonnt mit einer notwendigen Sensibilität am Lenkrad kombiniert werden muss – bei artgerechter Bewegung selbstverständlich.

Klassisch klein, scharf gewürzt
Ein breites Angebot lustiger, scharfer Kleinwagen bietet – man glaubt es kaum – Fiat, bzw. Abarth mit 145, 165 oder 180 Pferdestärken in der Karosserie des Fiat 500. Der kleine Alfa Mito mit sehr agilen 170 PS wirkt dagegen fast schon wie eine Schlaftablette, was jedoch eine Herabwürdigung seines Spaßpotenzials wäre. Zu den ganz kleinen Autos mit hohem Fahrvergnügens-Faktor zählen aber auch ziemlich unscheinbare Vertreter kleiner Stadtflitzer, die eher bescheiden auftreten, aber erstaunliche Leistungen auf die Straße bringen.
Beispiel dafür ist etwa der Renault Twingo TCE 110, der zwar so aussieht, wie sich manche ein kleines Damenfahrzeug für den Stadteinkauf vorstellen, dem aber durchaus quirlige Fahrleistungen zu entlocken sind, die etliche Kompakte alt aussehen lassen. Der Zeitgeist-Opel im Mini-Format, der Adam, lässt sich in der gepfefferten Version mit 150 munteren Pferden ebenfalls sehr sportlich bewegen, wird jedoch wahrscheinlich bald der Vergangenheit angehören.
Fernöstliche Varianten fallen auch deshalb weniger auf, weil sie optisch nicht so viel hermachen wie die Europäer, sie haben aber durchwegs Fähigkeiten, den Sportsgeist am Volant zu wecken: Der Kia Rio mit 120 PS, ebenso viele beim Hyundai i20, der Mazda 2 mit 115 oder der Toyota Yaris mit 111 sind solche Autos, die trotz ihres zurückhaltenden Auftritts für flotte Gangart und Fahrspaß geeignet sind.

Sportlichkeit, komfortabel garniert
Ganz bewusst beschreibt Suzuki das Spitzenmodell des Swift als „Sport“-Variante, obwohl seine 140 Zugpferde irgendwo in der Mitte des Angebots stehen. Kennt man nämlich die Auslegung und das Temperament des großen Kleinen, dann versteht man auch seinen sportlichen Anspruch, dem er absolut gerecht wird. Das ist schon fast Understatement. Man könnte ihn auch als auffrisiertes Alltagsauto bezeichnen, was jedoch seinem Charakter nur hinsichtlich der Farbgebung entspricht.
In Wirklichkeit ist der formal kreuzbrave Swift eine reine Freude, und das zum vernünftigen Preis. Eine Stufe höher ist der Ford Fiesta ST mit seinen 200 heftigen Pferden angesiedelt: Hier treffen optische Schlichtheit und sportliche Performance aufeinander, wie sie kaum günstiger am Markt zu erwerben sind. Der technisch hochgerüstete, mit Race-Genen versehene Fiesta vereint Alltag und sportlichen Anspruch in der Kleinwagenklasse nicht nur durch die PS-Zahl, hier sieht man, dass feinste Technik und hohes technisches Ausstattungsniveau mit relativem Komfort vereint werden kann. Ein echtes Spaßauto der zivilisierten Art! In dieser Liga spielen auch der Citroen DS3 Racing, ein wahrhaft unterschätztes Spaßmobil. Der zweite dieser Fraktion, der 208er in der Lustversion, erfährt gerade eine Neuauflage, wobei noch nicht sicher ist, wie die Topmotorisierung ausfallen wird.

Fotos: Hersteller
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