Luftbild-Traunstein-Stadtkern_Tanja-Ghirardini

Made in Traunstein: Innovativ und bodenständig

 Der Landkreis Traunstein zwischen Waginger See, Chiemsee, Chiemgauer Alpen und dem Grenzlandkreis Berchtesgadener Land ist ein fast paradiesischer Landstrich. Innovation und Heimatbezug sind hier kein Gegensatz. Mittelständische Betriebe verändern von Traunstein aus die Welt.  Sechs von ihnen stellen wir vor.
 Ein Artikel von Veronika Mergenthall

kaes1Oft sind es ursprünglich Fremde, die eine Region besonders schätzen. Die Geschichte der Bergader Privatkäserei in Waging ist das beste Beispiel dafür. 1902 kam Firmengründer Basil Weixler aus dem Allgäu ins oberbayerische Leobendorf.
Später erwarb
er eine Molkerei in Traunstein. Nach dem Ersten Weltkrieg kreierte er mit dem „Bayerischen Gebirgsroquefort“ aus Kuhmilch etwas ganz Besonderes. Er traf den Zeitgeschmack. Die französische Konkurrenz jedoch prozessierte gegen die Verwendung der Bezeichnung „Roquefort“. Weixler musste seinen Käse zwar umbenennen in „Bergader Edelpilzkäse“, doch der Prozess machte ihn berühmt.

kaes2„Wir bieten Käsesorten mit Heimatbezug“, erklärt seine Enkelin Beatrice Kress, die das Familienunternehmen in dritter Generation leitet – die nächste steht schon in den Startlöchern. Mit vielen Bauernhöfen im bayerischen Alpenvorland und im oberösterreichischen Innviertel arbeitet die Käserei seit Generationen zusammen. Sie verbindet traditionelle Käsekunst mit modernster Käserei-technologie. Noch heute gibt es viele Handgriffe, die erfahrene Käsemeister persönlich ausführen, wie das Fühlen des Käsebruches. Nachhaltigkeit und höchste Qualität sind oberste Devise.

Der führende deutsche Blauschimmel- und Weichkäsehersteller hat heute rund 580 Mitarbeiter, produzierte im vergangenen Jahr rund 35.000 Tonnen Käse und exportiert in 50 Länder weltweit, vorwiegend Italien, Österreich und Spanien. Bergader bietet auch Seminare für Gastronomen und Verkäuferinnen sowie Schmankerlstunden mit Blick hinter die Kulissen des Werks an.

Spezialist für die Gebirgslärche

Seit Entstehung des Sägewerks Maier im Jahre 1930 spezialisierte sich Firmengründer Michael Maier auf den Einkauf und die Verarbeitung der „europäischen Lärche“. Die Brüder Anton und Markus Maier führen sein Erbe in dritter Generation fort. „Zugunsten der heimischen Holzwirtschaft verzichten wir auf lange und teure Transportwege und oftmals gefährdete Holzarten. Wir verwenden nur Holz aus der Region“, erklärt Anton Maier. Die Gebirgslärche zählt zu den Pionieren der Bäume.
Der harzreiche Baum schützt sich durch seine natürlichen Inhaltsstoffe selbst. So muss das einzigartig rötlich gefärbte, witterungsbeständige und langlebige Holz nicht imprägniert werden.

Mit rund 1.500 Festmeter pro Jahr, die größtenteils mit der werkseigenen Esterer-Vollgatter-Säge geschnitten werden, ist die Maiermühle ein eher kleines, aber dafür hoch spezialisiertes Sägewerk, mit einem Lärchenanteil von etwa 50 Prozent. Aus der Lärche entstehen unter anderem Bau- und Konstruktionsholz, Terrassendielen, Fassadenverschalungen und Zäune, aber auch Dielenböden – für private Bauherren, öffentliche Gebäude, Gasthäuser, Hotels sowie holzverarbeitende Betriebe in ganz Deutschland.

surfen2Junge Erfolgsstory im Werbefilm

In Ruhpolding gründeten Daniel Bichler und Marco Werner, die heute 19 und 21 Jahre alt sind, am 11.11.11 – kein Faschingsscherz – ihre Produktionsfirma „chiemedia“, eine einzigartige junge Erfolgsstory. Aus einem Hobby wurde eine Passion: Als Jugendlicher filmte Daniel Bichler seine Freunde im Skatepark und beim Skifahren im Funpark. Später kam sein Freund Marco dazu, und erste Aufträge für Sport-, Outdoor- und Eventfilme er-gaben sich. „Da hatte jeder von uns noch ganz andere Berufswünsche. Marco wollte Wirtschaftsingenieur studieren, und ich wollte immer Pilot werden“, erzählt der 19-Jährige. „Mittlerweile sind wir spezialisiert auf die Produktion von Werbefilmen wie Image- und Produktfilme oder Kino-Werbespots.“

Das verdiente Geld steckten die Autodidakten in hochprofessionelle Ausrüstung, wie Drohnen, Lichtequipment und eine Kino-Kamera. Im September 2015 eröffneten sie ihr Büro im Herzen von Ruhpolding und wollen in den nächsten Jahren mit fünf bis zehn Angestellten arbeiten. Ihre Referenzen-Liste ist beachtlich. Als Kameramänner drehten sie in vielen Ländern, wie Karibik, Schweiz, Portugal und Frankreich. Sie waren für Firmen wie Mercedes, Puma, Red Bull, Oakley oder Adidas sowie für TV-Sendungen wie Terra-X und Galileo unterwegs. In kreativen Eigenproduktionen setzten sie unter anderem ein elektrisches Surfbrett in Szene.

Braugerste aus der Region

Nach dem berüchtigten Raubritter Heinz vom Stein hat die Schlossbrauerei Stein ihre international von Italien bis Malaysia geschätzten Biobiere benannt. Für ihr Helles erhielt sie nun zum dritten Mal bei der Bier-EM den „European Beer Star“ in Gold. Dass alle Steiner Biere selbstverständlich glyphosatfrei sind, bestätigten nun Labortests der TU München.

Bereits seit 1489 wird in Stein an der Traun Bier gebraut. 1890 wurde das heutige Brauereigebäude unterhalb der Steiner Burgen erbaut und 1938 die „Schlossbrauerei Stein Wiskott GmbH & Co. KG“ gegründet.

Die Gerste für ihre konventionellen Biere gewinnt sie über das „Chiemgauer Braugerstenprogramm“ aus der Region. „Unser Ziel war es, nicht mehr abhängig von Auslandsimporten zu sein“, erklärt Braumeister Markus Milkreiter. Dieses Programm sichere höchste Produktqualität und unterstütze aktiv die heimische Landwirtschaft, ergänzt Brauereichef Stefan Haunberger. „Davon profitieren alle – die Bauern, wir und die Kunden.“ Die Rohstoffe für die Biobiere sollen künftig aus der „Ökomodell-region Waginger See“ kommen. Eine brauereieigene Hefereinzucht sichert gleichbleibende Qualität. Der umweltbewusst wirtschaftende Betrieb engagiert sich auch für den Schutz der Landschaft, der
Fledermaus und der Ökologie in der Traun.

harfe1 harfe2Handgefertigte Harfen

Himmlische Klänge verbreiten sich vom Hochberg über Traunstein im gesamten Alpenraum, von der Schweiz bis in die Steiermark: In reiner Handarbeit fertigt der gelernte Schreinermeister Alois Schroll in der Einöde Rutzöd pro Monat etwa eine Harfe an. Die Einfachpedalharfe, wie sie Schroll baut, erfand übrigens ein Bayer, Jakob Hochbrucker aus Donauwörth, um 1720; erst danach kam die Konzertharfe. Den ersten Prototyp erhielt vor über 13 Jahren Ehefrau Karin, eine Harfenistin. Weil es so gut klappte, startete Schroll gleich die Selbständigkeit als Harfenbauer. Das Tonholz im Resonanzkörper der Schroll-Harfen stammt von langsam gewachsenen und nach dem Mond geschlagenen Fichten aus der Schweiz; es wird auf 1.800 Metern Höhe luftgetrocknet.

Etwa 200 Stunden Arbeit stecken in einer Harfe. Durch verschiedene Hölzer, die im Resonanzkörper verarbeitet werden, und unterschiedliche Lacke entstehen ganz spezielle Klangbilder. Die Saiten zieht am Ende Karin Schroll auf. Sohn Markus ist auch musikalisch und gewann nun mit der „Traunegg-Musi“ den begehrten Volksmusikpreis „Traunsteiner Lindl“.

Kreative Licht- und Schatteningenieure

Die erfahrenen „Licht- und Schatteningenieure“ der Firma Brauns in Siegsdorf kreieren in ihrer Manufaktur optimale Lösungen auch für außergewöhnliche Herausforderungen. Nach Maß bauen sie Rolläden, Wintergärten, Sonnenschutzsysteme, Insektenschutzanlagen, Roll- und Falttore und vieles mehr. Sie bieten Planung, Montage, Kundendienst und Reparatur aus einer Hand.

1957 von Rudolf Braun in Planegg bei München gegründet, ist die Firma seit 1969 in Siegsdorf ansässig. Sie gehörte ursprünglich zur Firma Brückner. 1986 übernahm sie Joachim Morawietz und entwickelte den auf eigene Beine gestellten Betrieb konsequent weiter. Schnell bekamen er und sein Team den Ruf des Problemlösers für technischen Wärme-, Kälte- und Schallschutz rund um Fenster und Türen. Seit 2014 leitet Tochter Cornelia Morawietz das Unternehmen, das aktuell 27 Mitarbeiter zählt und einige Innungssieger und Staatspreisträger stellte. Die Hauptkunden sind Privatleute, Behörden, Betriebe und Schulen von München bis Salzburg. Brauns-Produkte finden sich unter anderem am Flughafen München, in der Spielbank Bad Reichenhall, im Dokumentationszentrum Obersalzberg und sogar in einem Privathaus eines Industriellen aus der Region in Argentinien.

Alle Beiträge aus Allgemein, Reportage & Wissen


Facebook Icon