beitragsbild_gin

Made in Munich – Die Münchner Gin-Pioniere

Vom verstaubten Klassiker zum Szene-Getränk in den Münchner Bars.
Ein Artikel von Wolfram Seipp

The_Duke_Gin-KopieSchön kalt und rein muss er sein, von bester Qualität und serviert ganz klassisch mit klarem Tonic Water. So lieben Dry Gin-Liebhaber ihren britischen Klassiker. Britisch? Seit nun knapp zehn Jahren wird das aus Wacholder gebrannte Getränk auch in München produziert. 2008 wurde „The Duke Munich Dry Gin“ geboren – der erste in München destillierte Gin… und der kann es längst mit seinen britischen Vorfahren aufnehmen.
Stolz führt Maximilian Schauerte (38) den Besucher durch seinen Betrieb mitten in Aschheim vor den Toren Münchens. Ein weitläufiger Backsteinbau aus dem 19. Jahrhundert, der einst eine Kartoffelbrennerei beherbergte, ist seit Oktober 2016 die neue Heimat von „The Duke“, der mittlerweile schon deshalb legendären Münchner Gin-Brennerei, da man sie gut und gern für die Renaissance des traditionellen Getränks hierzulande verantwortlich machen kann. Durch die Glasscheiben im Verkaufsraum kann man einen Blick auf die blitzblanken Kupferkessel der neuen Destillieranlage werfen, in denen die edlen Tropfen vor sich hin blubbern. „Wir wollten eine gläserne Manufaktur“, erzählt Schauerte. „Und damit die Kunden wissen, wo ihr Gin produziert wird, bieten wir demnächst auch Destillerie-Führungen an.“ Der Umzug aus Schwabing nach Aschheim war dringend notwendig geworden, da die früheren Räume der Brennerei in der Barer Straße aus allen Nähten platzten. „Unglaublich, dass wir es da soweit geschafft haben“, erzählt der Jungunternehmer, „logistisch war es eine Katastrophe, vom Platz her, vom Sicherheitstechnischen her, eigentlich erstaunlich, dass es dort solange gegangen ist.“

Fotos: The Duke Munich Dry Gin

Fotos: The Duke Munich Dry Gin

Verbeugung vor der bayerischen Trinkkultur
Angefangen hat alles bei einem gepflegten Gin Tonic spätabends im Herbst 2007. Maximilian Schauerte und sein gleichaltriger Kompagnon Daniel Schönecker studierten beide an der Münchner Uni Geschichte und lernten sich in einer WG kennen, als sie ihre gemeinsame Leidenschaft für den hochgeistigen Wacholderbrand entdeckten. Gin war vor zehn Jahren ziemlich out. Aus den Münchner Bars war er nahezu verschwunden. Er galt als Getränk angestaubter britischer Adliger oder bestenfalls als Malariaprophylaxe in den Tropen. „Gin war keine qualitativ hochwertige Spirituose und deutschen Gin gab es sowieso nicht. Da mussten erst zwei nichtsnutzige Historiker kommen“, erzählt Schauerte schmunzelnd.
Die großen Brennereien hatten das Potential des Gins verschlafen. Und die beiden Studenten begannen mit ihrem Lieblingsgetränk zu experimentieren. Gin eignet sich für Experimente wie kein anderer Brannt. Zahlreiche Cocktails mit bitteren, sauren und süßen Geschmacksrichtungen werden weltweit mit Gin gemixt.
„Gin ist ein ziemlich vielfältig interpretierbarer Gewürzbranntwein. Wacholder ist die bestimmende Note und dann setzt jeder so seine eigene Marke bei dem Ganzen. Natürlich wollten wir beim Gin auch das Heimische hervorstechen lassen“, erklärt Schauerte, der wie sein Mitgründer Daniel Schönecker aus München stammt. Zwölf Kräuter machen den Geschmack von „The Duke“ aus, Koriander, Zitrus, Orangenblüten. Die Zugabe von Hopfen und Malz etwa war für sie nicht nur eine Verbeugung vor der bayerischen Trinkkultur. „Hopfen hat eine starke Geschmacksnote, Malz ist der große Weichmacher beim Gin“, erklärt der Münchner Gin-Produzent.

„Wir wussten, es funktioniert und wir mussten durchhalten.“
Die Kunden sollten auch sehen, dass sie bayerischen Gin kaufen. Ein Etikett mit weißblauem Rautenmuster wurde entworfen. Mit dem Namen „The Duke“ wollten die beiden Historiker nicht dem britischen Ursprungsland des Gins nacheifern, sondern sich auf Heinrich den Löwen beziehen. Der Herzog von Sachsen und Bayern zerstörte einst die Isar-Brücke des Fürstbischofs von Freising und stiftete den Münchnern eine Brücke, über die fortan der lukrative Salzhandel lief. München wuchs in der Folge von einer kleinen Ansiedlung zu einem wohlhabenden mittelalterlichen Dorf.
Steil aufwärts ging es auch für die beiden Jungunternehmer, nachdem sie ihren feinen Gin nach rund einem Jahr Entwicklungszeit auf den Markt brachten. Das Anfangskapital für den Start konnten sie bei ihren Familien und Freunden zusammenkratzen. Die hielten es zwar für eine „Schnapsidee“, doch die Kosten für die kleine Destillier-Anlage hielten sich in Grenzen. „Anfangs machten wir alles selbst“, erzählt Schauerte, „es war richtig schwierig, den Gin an der Bar an den Mann zu bringen.“ Außerdem gab es behördliche Auflagen und Vorschriften, von denen die beiden Gin-Pioniere nicht wussten, wie sie ohne das nötige Kapital und den nötigen Platz umzusetzen waren. „Aber wir wussten, es funktioniert und wir mussten durchhalten.“

The_Duke_Destillerie_AschheimAus Amateuren wurden gefragte Profis
Der Erfolg gibt ihnen recht. Mittlerweile wurde aus der kleinen Destillerie im Hinterhof ein Betrieb mit 25 Mitarbeitern. Die meisten haben als Praktikanten oder Hilfskräfte angefangen. „Learning by doing“ war die Devise des kleinen Unternehmens. Aus Amateuren wurden gefragte Profis, aus der kleinen Destillerie ein Ausbildungsbetrieb. Heute räumt der biozertifizierte „The Duke“ bei internationalen Verkostungen reihenweise Preise ab.
In den letzten zehn Jahren haben sie mit „The Duke“ zudem in Münchner Bars einen Hype nach dem einst verschmähten Klassiker ausgelöst. Mittlerweile ist Gin das Szene-Getränk schlechthin. Und „The Duke“ ist der lokale Platzhirsch. In den Münchner Bars finden sich mittlerweile neben „The Duke“ auch andere bayerische Gin-Marken, wie etwa „Feel“, „Soul of Bavaria“, „Whobertus“ oder „Weihwasser“. Sie alle werben damit, regional zu produzieren und ihren Gin mit lokalen Essenzen, meist mit Zutaten aus biologischem Anbau, zu verfeinern. Die neue Konkurrenz allerdings sieht Maximilian Schauerte gelassen. Jetzt noch einen neuen Gin heraus zu bringen sei doch Wahnsinn. „Wir versuchen uns jetzt als modernen Klassiker zu vermarkten“, so der Historiker.

Alle Beiträge aus Kulinarik & Genuss


Facebook Icon