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Ein Spaziergang mit Dagmar Wagner

Wir treffen Dagmar Wagner – Dokumentarfilmerin, Vortragsrednerin, Privatbiografin, DJane – auf einen kleinen Spaziergang in München…
Ein Artikel von Nicola Seipp

Schreiben und Filmemachen, und das in vielseitiger Form – so könnte man Dagmar Wagners berufliches Handwerk zusammenfassen. Sie dreht Dokumentationen und Filme für Kino und Fernsehen, schreibt die Lebensgeschichten von Menschen auf – und wenn es die Zeit zulässt, rockt sie so manche Party als DJane. Früh entdeckte die Bayerische Filmpreisträgerin („Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe“) zudem ihre Fähigkeit, ihr Wissen weiter zu vermitteln und spricht heute in zahlreichen Vorträgen etwa über verschiedene Aspekte rund um das Thema
Älterwerden – vor allem über das älterwerdende Gehirn. Mit ihrem aktuellen Film „Ü100“ ist sie derzeit erfolgreich auf Tour, redet dabei ebenso in Kinos mit Zuschauern wie in Hochschulen vor Studenten und freut sich über das große Interesse auch der jungen Leute.
Die Münchner Filmhochschul-Absolventin sprüht vor Energie und Charme, als wir sie vor ihrer ehemaligen Hochschule treffen, und zu einem kleinen Spaziergang durch die bayerische Landeshauptstadt starten. Mitten im Kulturareal, dem historisch gewachsenen Museumsviertel, am Bernd-Eichinger-Platz vor der Hochschule für Fernsehen und Film, begrüßen wir Dagmar Wagner – und los geht’s!

Die Dokumentarfilmerin vor der Hochschule für Fernsehen und Film München. Fotos: Moritz Wagner

Die Dokumentarfilmerin vor der Hochschule für Fernsehen und Film München.
Fotos: Moritz Wagner

Ende der 80er-Jahre haben Sie an der Hochschule für Fernsehen und Film studiert. Damals befand sich die HFF noch in einem anderen Viertel, vor sechs Jahren erst zog die international renommierte Hochschule an ihren jetzigen Standort, in das imposante moderne Gebäude direkt gegenüber der Alten Pinakothek. Was bedeutet Ihnen München, wofür steht die Stadt, was lieben Sie an ihr besonders?
Ich habe mich nach einer Klassenfahrt als 16-Jährige sofort für diese Stadt als Studienort entschieden: Diese wunderbaren Straßencafés im legendären Schwabing mit dem Univiertel! Dieses Flair von Großstadt, dabei trotzdem immer überschaubar, hat es mir sofort angetan. Ich weiß das noch wie heute, obwohl sich die Stadt natürlich schon auch sehr verändert hat. Zwischendurch wurde mir die Stadt auch mal ein wenig zu eng, zu klein, aber wie bei jeder Liebe gibt es auch hier ein „Auf und Ab“!
Die Stadt wirkt heute auf mich zunehmend internationaler, ohne – natürlich mit Abstrichen – ihr Flair dabei zu verlieren. Sie steht in der Kreativwirtschaft vorne und hat auch bei neuen Technologien die Nase vorn: Neben dem lebendigen Kreativquartier in der Dachauer Str. 114 wird bald ein neues Gründer- und Innovationszentrum gebaut. Großartig diese Mischung.
Und dann dieses unglaubliche Museumsgebiet. Dass die Studenten, ob an der Technischen Uni, LMU oder Filmhochschule, direkt aus den Lehrgebäuden in fast alle wichtigen Münchner Museen gehen können – das ist sensationell, diese Bündelung. Das hätte ich als Studentin auch gerne so erlebt. Respekt dafür, das hat München grandios gemacht und das wird immer mehr Früchte tragen.

Wo sind die Plätze und Orte, die Sie besonders anziehen?
Eine wirkliche Oase im Stadtzentrum mit Boule- und Schachplätzen, Arkadengängen und ruhigen Bänken ist der schöne Hofgarten. Hier im Dianatempel hatte ich übrigens mein erstes Date mit meinem ersten Ehemann… Und den Viktualienmarkt liebe ich auch ganz besonders, klar, da sind viele Touristen, aber eben nicht nur. Setzt man sich dort in den Biergarten, kann man staunen, wie viele Stammgäste sich dort zusammenfinden. Und auch wie schnell man ins Gespräch kommt. Darum werden doch die Münchner bundesweit, ja weltweit, beneidet – und es ist kein Klischee. Ich verabrede mich gerne dort.

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Dagmar Wagner, die sich selbst als „Suppenkaspar“ bezeichnet, in der Münchner Suppenküche auf dem Viktualienmarkt.

Apropos, wo geht es hin, wenn Hunger oder Durst sich melden?
Natürlich gibt es hier in der Gegend köstliche Gelegenheiten, auch nur eine leckere Kleinigkeit zu essen, aber als ein richtiger Suppenkaspar liebe ich einfach die Münchner Suppenküche auf dem Viktualienmarkt.
Ich mag unaufgeregte Plätze, wo es menschelt, alle sich freundlich verhalten und man ungezwungen ins Gespräch kommen kann. Wie auch in dem wunderbaren kleinen italienischen Café San Pietro am Petersplatz direkt gegenüber dem alten Peter, das eigentlich gar nicht so „City-like“ ist. Inmitten der Touristenströme geht es dort nämlich sehr familiär zu. Das erwartet man in der Regel anders, aber die Münchner lassen sich das auch einfach nicht aus der Hand nehmen, das finde ich gut! Das ist selbst im Hofbräuhaus noch so – das liebe ich nämlich auch, vor allem das Bayerische Bier, auch wenn ich es nicht oft trinke. Meine Kinotour führte mich gerade in meine Heimatstadt in Hessen, dort gibt es weder ordentliches Bier noch ordentlichen Prosecco zu kaufen – das sind schon Unterschiede!

Hat eine Regisseurin eigentlich ein Lieblingskino? Oder sonstige Lieblingsplätze in Sachen Kultur?
Ich fühle mich sehr eng mit dem RIO Filmpalast ver-bunden. Mein Kultfilm und Klassiker „Das Ei ist eine geschissene Gottesgabe“ feierte dort vor 24 Jahren Premiere. Im April dieses Jahres feierte mein aktueller Kinodokumentarfilm „Ü100“ ebenfalls dort seine Premiere. Ich liebe familiengeführte Traditionskinos wie dieses, habe auch zahlreiche auf meiner jetzigen Kinotour kennengelernt in Bayern. Respekt, was viele da leisten, diese Liebe und Hingabe an den Kinofilm. Ansonsten mag ich das wunderbare Arri-Kino und das Isabella. Aber Cineplex-Kinos nicht so gerne. Die sind mir zu unpersönlich.
Da ich Jazz sehr gerne mag, liebe ich auch den Jazzclub UNTERFAHRT im Kulturzentrum Einstein in Haidhausen, in dem sich ebenso ein kleines Kino und eine Kunstgalerie befinden. Eine schöne kreative Atmosphäre. Und das VEREINSHEIM in Schwabing ist auch eine tolle Sache, denn Kabarett, Kleinkunst und Satire gehören auch zu meinen Kultur-Favoriten. Im Vereinsheim können sich junge Künstler noch ausprobieren – „Bravo“ sag ich da nur!

Dagmar Wagner im italienischen Café San Pietro mit Kellner Kris.

Dagmar Wagner im italienischen Café
San Pietro mit Kellner Kris.

Und wo geht’s jetzt zum Abschluss auf einen Kaffee hin?
Gemütlich finde ich den Sankt Jakobsplatz mit dem Münchner Stadtmuseum. Dort gibt es einen kleinen Innenhof, viele Bänke, da spielen Kinder, und wenn man Durst oder Hunger hat, wird man im dortigen Stadtcafé bestens versorgt. Auch hier war ich schon als junge Studentin und ich glaube, man bleibt den einstigen geliebten Plätzen immer treu. Aber als absoluter Italien-Fan würde ich der „nördlichsten Stadt Italiens“ – „Minga“ mit seinem echten Italienfeeling – sowieso niemals mehr den Rücken kehren!

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