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Der Elisabethmarkt

Grüne Oase im Schwabinger Stadtgetümmel
Ein Artikel von Wolfram Seipp
Fotos: Wolfram Seipp

Fotos: Wolfram Seipp

Für viele Schwabinger ist er nicht nur an sonnigen Tagen ihr verlängertes Wohnzimmer: auf dem Elisabethmarkt inmitten Schwabings geht es gemütlich zu. Vertraut und heimisch. Man trifft sich zum gesunden Mittags-Snack oder auf einen Kaffee, während der Nachwuchs auf dem Spielplatz herumtollen kann. Beim Obst- und Gemüsehändler mit bester Bio-Kost hält man ein Schwätzchen über Gott und die Welt, bevor man noch einen blühenden bunten Strauß Blumen für daheim einkauft. So geht das schon seit vielen Jahren, egal ob Einheimische, Zugereiste, Prominente – sie alle lieben ihren Markt.
An mehr als zwanzig Ständen wird den Marktbesuchern geboten, was das Herz des gesundheitsbewussten Städters für die heimische Küche begehrt: feine Käsespezialitäten, Kaffee, frisches Obst und Gemüse, Wein oder Fleisch – alles aus biologischem Anbau. Die vielen Bäume und Grünflächen machen den Markt zu einer grünen Oase im Schwabinger Stadtgetümmel. Der Elisabethmarkt zählt zu den schönsten Märkten in München. Und er kann auf die meisten Stammkunden aller Münchner Märkte zählen – und das schon seit Generationen. „Den besonderen Charme des Marktes macht ja vor allem aus, dass wir Einzelhändler dort teilweise schon seit Generationen stehen“,  erzählt Karl Huczala, der gemeinsam mit seinem Bruder vor vier Jahren den Obst- und Gemüsestand von seinen Eltern übernommen hat.

Schmucke Häuschen ersetzten die Markthallen
Benannt wurde der Markt, wie auch die angrenzende Elisabethstraße, nach der Kaiserin Elisabeth von Österreich, besser bekannt als „Sisi“. Sie erblickte an Weihnachten 1837 im Herzog-Max-Palais an der Münchner Ludwigstraße das Licht der Welt und wuchs in München auf. Eröffnet wurde der Elisabethmarkt 1903 als einer von vier ständigen Münchner Lebensmittelmärkten. Im Zweiten Weltkrieg richteten Bomben an den Markthallen schwere Zerstörungen an. Anfang der 1950er Jahre wurde der Elisabethmarkt wieder aufgebaut und man ersetzte die Markthallen durch schmucke Verkaufshäuschen, die noch heute das Bild des beliebten Marktareals bestimmen.
LUI_6471Seitdem allerdings der vom Kommunalreferat beauftragte TÜV vor ein paar Jahren bei den alten Buden verschiedene Mängel festgestellt hatte, sind dunkle Wolken über dem Schwabinger Paradies aufgezogen. Die Häuschen sollen abgerissen und neu angeordnet durch Neubauten ersetzt werden. Die 22 Einzelstände sollen dann in neun Häuschen untergebracht werden, die zu allen Seiten offen sind. Dadurch kann jeder Laden die gleiche bevorzugte Lage bekommen. Bisher sind die Buden in Reihen angeordnet. Die hinteren Reihen sind wesentlich unattraktiver für Kunden und grenzen an Parkplätze. Lagerräume und Parkplätze sollen nach den Plänen in eine Tiefgarage wandern. Außerdem sollen erstmals Toiletten für die Kunden gebaut werden. So die Pläne des Betreibers der Münchner Märkte, den „Münchner Markthallen“.

Umbauphase ist für viele Händler starke Belastung
Doch viele Schwabinger wollten die zwar alten, aber über viele Jahre liebgewonnenen traditionellen Häuschen behalten und forderten, eine gut geplante Sanierung zu prüfen. Eine Bürgerinitiative sammelte 23.000 Unterschriften gegen den Abriss. „Die Markthallen haben den Händlern immer nur zwei Abrissvarianten vorgestellt, nie eine Variante mit Sanierung des Marktes“, klagt Hubertus von Medinger, Initiator der Bürgerinitiative. Viele prominente Münchner beteiligten sich mit ihrer Unterschrift. Nicht zuletzt befürchteten sie, dass der Markt mit neuer, gesichtsloser Architektur überzogen wird und das Traditionelle des alten Marktes verloren geht. „Es ist dann so wie in hunderten anderen deutschen Städten. Sie haben dann einen neuen Markt, aber ohne die Tradition Münchens, die den Flair und Charme des Marktes ausmacht“, befürchtet er.
LUI_6477Die Händler auf dem Markt dagegen sind sich über die Pläne uneinig. „Rund ein Drittel ist für den Neubau, ein Drittel für eine sanfte Sanierung und ein Drittel wolle alles so beibehalten wie es ist“, erzählt der Obst- und Gemüsehändler Karl Huczala. Er persönlich favorisiert einen Neubau. „Der Markt war ja am Sterben“, erzählt er. Der Grund dafür sei die nicht mehr so gesunde Händlerstruktur. „In den letzten Jahren hat es zwei bis drei Wechsel jährlich gegeben, die meisten neuen Stände sind Imbissstände. Produkte in hervorragender Qualität anzubieten, wird immer schwieriger. Gründe dafür sind: lange Wege bis ins Lager, keine vernünftigen Kühl- und Präsentationsmöglichkeiten. Im Bestand wären diese Probleme auch bei einer Sanierung nicht behoben. Der Elisabethmarkt wäre immer mehr ein Naschmarkt geworden“, meint Huczala. Mit dem Neubau sowie besseren Lager- und Kühlmöglichkeiten hofft der Obst- und Gemüsehändler, sich mit seiner Bio-Kost gegen die Konkurrenz in den Supermärkten behaupten zu können. Für ihn würden sich Investitionen rechnen, die durch den Neubau notwendig werden. „Wir müssen unsere Läden neu einrichten, neue Kühlungsanlagen müssen angeschafft werden. Für mich, mit der Perspektive noch 30 Jahre hier zu sein, ist es da leichter zu sagen, da investieren wir. Jemand, der nur noch 10 Jahre bis zur Rente hat, kann das nicht so leicht sagen.“ Die zweijährige Umbauphase ist ohnehin für viele Händler eine starke Belastung. Die Stadt hat zwar in der nahe gelegenen Arcisstraße ein Ausweichquartier mit Containern angeboten, doch viele Händler fürchten Umsatzeinbußen.

beitragsbild_elisabethmarktMöglichst viel vom Charme des alten Marktes erhalten
Für den neuen Elisabethmarkt müsse man es schaffen, möglichst viel vom Charme des alten Marktes zu erhalten, meint Huczala. „Wenn ein Kunde zu mir kommt, der schon bei meiner Mutter eingekauft hat, gibt es Gespräche über die Familie“, das ist es, was den Elisabethmarkt ausmache. „Eines darf nicht passieren: Dass wir einen supermodernen Markt schaffen, der nicht von den Kunden angenommen wird.“ Doch die Architekten hätten verstanden, worum es geht. „Ich glaube, dass der Markt jetzt eine Riesenchance bietet. Wenn wir es richtig machen, werden wir einen der schönsten Plätze Münchens kriegen.“ 

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