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Aus Riccardo Simonettis fantastischem Leben

Lockenmähne zum Erblassen, Plateauschuhe doppeldick, Blogger, Model und Snapchatter: Riccardo Simonetti fiel schon immer auf und ist dabei doch ganz er selbst – und genau das lieben seine Fans.
 Ein Artikel von Kathrin Thoma-Bregar

ricardoSimonetti2 Guten Morgen Snapchat, na, wie habt ihr geschlafen? Meine Nacht war eigentlich recht kurz, ich bin gestern aus Mailand gekommen, gähnt Riccardo. Er hält einen rosafarbenen Prinzessinnen-Spiegel vors Gesicht, reibt sich müde die Augen, im Arm ein quietschbuntgeflecktes Kuscheltier mit goldenen Ohren. Es ist Sonntagmorgen. Der 23-Jährige liegt im Bett, im pinken Morgenmantel und arbeitet. Der Spiegel ist eine Smartphone-Hülle, die Kamera läuft. Riccardo’s Job? Täglich an die 500 Videos á 10 Sekunden über Snapchat verschicken.

Snapchat ist ein Instant Messaging-Dienst, ein soziales Netzwerk, ähnlich wie Facebook. Der Unterschied: die Videos und Fotos, die Nutzer sich schicken, verschwinden, sobald der Empfänger sie angesehen hat, spätestens aber nach 24 Stunden. Snapchat wächst rasant. Mehr als sieben Milliarden Clips werden dort täglich angeschaut.

Für Riccardo Simonetti ist snapchatten ein lukrativer Job. Täglich versorgt er außerdem seine 56.000 Instagram- und knapp 10.200 Facebook-Fans mit verrückten Schnappschüssen und außergewöhnlichen Looks. In Deutschland gehört er zu den meist gefolgten männlichen Bloggern. PR Agenturen und Modefirmen lieben ihn, seine Fangemeinde ist ihre Kunden-Zielgruppe. Sie zahlen Geld dafür, dass Riccardo auf Events geht und sich dabei filmt oder Jacken, Schuhe und Taschen in seine Kamera hält. Wieviel er verdient, verrät er nicht, aber er kann gut davon leben, Louis Vuitton-Tasche & Co inklusive.

„Du machst die Welt ein ganzes Stückchen besser“

ricardoSimonetti3„Ich polarisiere und bin mir meiner Wirkung auf Leute durchaus bewusst“, sagt der 23-Jährige, der schon immer Spaß an Mode hatte. Er liebt unkonventionelle Outfits, Röcke, Leggings. Mit vierzehn Jahren klebt Riccardo sich funkelnde Sterne ins Gesicht, setzt sich Haarreifen in die braunen Walle-Locken und trägt Kleider seiner Mutter. Nicht gerade üblich im oberbayerischen Bad Reichenhall, wo Riccardo Simonetti herkommt. Seine Eltern sind Italiener. Nach dem Einser-Abitur zieht er nach München, später nach Berlin, er bekommt erste Modeljobs, ein Praktikum bei einer Modezeitschrift, er lässt sich Visitenkarten drucken, auf denen steht: „Model, Blogger, Persönlichkeit“.

„Mein allererster Berufswunsch war Schauspieler. Als ich 16 war und neben dem Schultheater auch am Landestheater in Salzburg spielte, sagte mir mein Coach, dass ich wirklich talentiert wäre, aber dass die beste Rolle, die ich jemals spielen werde, ich selbst sein würde“, sagt Riccardo. Längst hat er Superstar-Status. Ständig wird er angesprochen, um ein gemeinsames Foto gebeten. Kürzlich begleitete ihn der Fernseh-Sender ProSieben einen Tag lang. Wo er auftritt, stürmen ihn die Fans, er ist ein Vorbild. Das zeigen auch die Einträge auf seinem Blog „The fabulous life of Ricci“ (www.fabulousricci.com), da schreibt M.: „Danke, dass du mich immer motivierst mein Leben so zu leben wie ich es will und mich nicht nach den Meinungen von anderen richten soll. Ohne dich wäre ich heute bestimmt nicht die Person die ich bin.“ Julia findet: „Du bist total inspirierend und ich liebe es jeden Tag deine Snaps anzuschauen!!!!! Du machst die Welt ein ganzes Stück besser.“ Und Monika kommentiert: „Mach weiter so!!! Und shine on you crazy diamond!!!“

Was sagt Riccardo zu so viel Zuspruch? Er freut sich ehrlich. „Früher haben die Leute böse Sachen gesagt, wenn sie jetzt sagen, sie finden es toll was ich mache, dann ist das das größte Geschenk überhaupt.“

ricardoSimonetti4Der King bei Shopping Queen

Ein Traum-Moment für den Blogger, als Guido Maria Kretschmer ihm vor eineinhalb Jahren die Shopping Queen Krone aufsetzt und sagt: “Du bist ein Junge, der gar nicht erst versucht, männlich oder weiblich zu wirken, sondern einfach er selbst sein will”. Inzwischen wird Riccardo zu diversen Mode-Events in aller Welt eingeflogen. Er läuft auf der Fashion-Week. Sein Kalender ist prall gefüllt, ein Management kümmert sich um seine Termine. Und dann muss er ja auch noch posten. Fabulousricci nennt er sich bei Snapchat und bekommt manchmal hunderte Fan-Reaktionen pro Stunde. Er dreht beim Friseurtermin, vom Straßen-Fotoshooting, vom Sushi-Essen, vom BILD-Interview, vom Red Carpet. Der ganze Tag, sein ganzes Leben findet öffentlich statt. Riccardo hat damit kein Problem. Das ist sein Job, der Job eines Superstars.

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