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Atemberaubende Reisen in ferne Galaxien

Wenn die Nächte länger werden und die Luft über der Stadt klarer, ist die Zeit der Sterngucker gekommen. Mehrere erstklassige Sternwarten und Planetarien bieten in München Besuchern modernste Beobachtungs- und Projektionstechnik für Blicke zu faszinierenden Sternen unseres Sonnensystems und Reisen durch Raum und Zeit zu fremden Galaxien, mysteriösen Gasnebeln und schwarzen Löchern.
Ein Artikel von Wolfram Seipp
Blick zum Saturn von der Volkssternwarte München Foto: Volkssternwarte München

Blick zum Saturn von der Volkssternwarte München
Foto: Volkssternwarte München

Zwei Jahre nach Kriegsende stellte eine Gruppe von Hobby-Astronomen auf dem Dach eines ehemaligen Luftschutzbunkers im Münchner Osten ihre Beobachtungsinstrumente auf, gründete einen Verein und lud Interessierte zu Führungen ein. Aus den bescheidenen Anfängen wurde über die Jahre eine der größten und bekanntesten Volkssternwarten Deutschlands.

Heute genießen jährlich über 25.000 Besucher von der 35 Meter hohen Beobachtungsplattform aus den Blick über München und in die Sterne. Jeweils zwei Spiegel- und Linsenteleskope mit Optiken bis zu 80 Zentimeter Durchmesser sind in Kuppeln und Schutzhütten aufgebaut. Zusätzlich steht den Besuchern bei großem Andrang eine Reihe transportabler Teleskope zur Verfügung.

Die Volkssternwarte – seit über 70 Jahren eine Münchner Institution
Stolz sind die rund 600 Mitglieder des Vereins Volkssternwarte auf ihr 80-Zentimeter-Spiegelteleskop, das vor allem durch Spendengelder finanziert wurde und 2005 seinen Betrieb aufnehmen konnte. Es zählt zu den größten öffentlich zugänglichen Teleskopen in Mitteleuropa. Seine gigantische Lichtstärke ermöglicht bei gutem Wetter beeindruckende Blicke zu weit entfernten Himmelsobjekten wie Nebel, Sternhaufen und Galaxien. An Planeten wie Mars, Jupiter oder Saturn lassen sich faszinierende Oberflächenstrukturen, ferne Monde oder Ringsysteme erkennen.
Die Volkssternwarte veranstaltet die ganze Woche über Führungen für Erwachsene und Kinder und lädt in ihren Veranstaltungsräumen zu Vorträgen aus allen Bereichen der Astronomie ein. Auch Geburtstage kann man in der Sternwarte feiern und das Geburtstagskind mit einem ganz besonderen Geschenk überraschen: Man kann ihm einen Stern widmen. Dafür gibt es eine Urkunde und eine Karte mit genauer Positionsangabe des Sterns.

Planetarium und Sternwarte im Deutschen Museum
Wie sähe der Sternenhimmel über München bei optimalen Bedingungen aus, in einer klaren Nacht, ohne störende Lichter?
Die Antwort findet man im Planetarium des Deutschen Museums: 3.500 Sterne wären über München zu sehen. Sie erstrecken sich über die 15 Meter große Projektionsfläche im Planetarium und enthüllen den perfekten Nachthimmel über München. Tatsächlich bietet das Planetarium die Möglichkeit, mit modernster Glasfasertechnik den Sternenhimmel über jedem beliebigen Punkt der Erde darzustellen. Auch Zeitreisen sind möglich und Besucher können beispielsweise sehen, wie der Nachthimmel bei Christi Geburt über Bethlehem aussah.

Volkssternwarte München

Volkssternwarte München

Foto: Volkssternwarte München
Deutsches Museum München

Deutsches Museum München

Foto: StreetFlash – istockphoto.com
ESO Supernova Planetarium

ESO Supernova Planetarium

Foto: ESO Supernova Planetarium & Visitor Centre

Oder sie reisen in die Zukunft und sehen, was sich Menschen in tausend Jahren wohl bietet, wenn sie in die Sterne blicken. Mit dem hochmodernen Lichtfaser-Sternenprojektor lassen sich auch Veränderungen des Sternenhimmels und Planetenbewegungen vorführen. Reisen durch das All bis an die Grenzen des beobachtbaren Universums in unvorstellbaren 14 Milliarden Lichtjahren Entfernung können simuliert werden. Auf dem Weg durch fremde Galaxien werden Planeten angeflogen und ein Blick auf unser Sonnensystem oder die Milchstraße von außen geworfen.
Mit Hilfe eines Hochleistungsrechners haben Wissenschaftler spektakuläre Simulationen erstellt, die als „Fulldome-Film“ im Planetarium projiziert werden können. Besucher können in atemberaubenden Bildern erleben, was nach dem Urknall geschah, wie Sterne und Galaxien geboren werden oder was es mit der sogenannten „dunklen Materie“ im All auf sich hat.
Wer lieber mit eigenen Augen in die Sterne schauen will, hat in Ost- und Westkuppel des Deutschen Museums gleich zwei Aussichtspunkte. Der Besuch der historischen Sternwarten lohnt sich schon für einen Blick über München. Die beiden Teleskope der Sternwarten wurden vor einigen Jahren restauriert und sind voll funktionstüchtig. Sie wurden 1913 und 1925 gebaut und gelten als technische Meisterwerke ihrer Zeit.

Neuester Hot Spot für Sterngucker: Das ESO Supernova Planetarium
Der neueste Hotspot für Sternenfans befindet sich seit April 2018 in Garching vor den Toren Münchens. Das digitale ESO Supernova Planetarium bietet modernste Visualisierungstechniken auf einer 360-Grad-Kuppel mit einem Durchmesser von 14 Metern. Das Dach besteht aus Glaspaneelen, die in ein Metallgerüst aus dreieckigen Segmenten eingefasst sind. 262 davon sind so angeordnet, dass sie Sternbilder des südlichen Himmels darstellen.
Die Idee zu dem Planetarium wurde gemeinsam von der Europäischen Südsternwarte (ESO) und der Klaus Tschira Stiftung entwickelt und umgesetzt. In den weltberühmten Observatorien der ESO in Chile, die als beste Beobachtungspunkte auf der Erde gelten, entstanden Ultra-HD-Aufnahmen für „Fulldome-Formate“, die eine 360-Grad-Projektion im Planetarium ermöglichen.
„Von der Erde zum Universum“ war der erste Planetariumsfilm der ESO in voller Länge. Eine atemberaubende Reise in faszinierenden Bildern durch Raum und Zeit. Sie führt durch unser Sonnensystem, zu den Geburtsstätten und Friedhöfen von Sternen und weiter, über die Milchstraße hinaus, zu vielfältigen, unbekannten Galaxien in den Tiefen des Universums. Unterwegs werden interessante Fakten vermittelt, über die Geschichte der Astronomie und die heutigen Möglichkeiten, mit riesigen Teleskopen in die Tiefen des Weltalls zu blicken. Der Film „Europas Weg zu den Sternen“ führt auf eine epische Reise durch die Technik und Historie der Astronomie und blickt hinter die Kulissen des leistungsstärksten, bodenbasierten Observatoriums der Welt in Chile, wo internationale Wissenschaftler mit Leidenschaft an der Erforschung des Weltalls arbeiten.
Weitere Shows führen zu den Geheimnissen des Kraftwerks Sonne und zu unseren Nachbarplaneten. Als Familienshow konzipiert sind „Die Abenteuer von Rosetta und Philae“. Darin wird unterhaltsam die Reise der Raumsonde Rosetta mit ihrer Landefähre Philae zu einem Kometen beschrieben, auf dem sie unser Sonnensystem durchreisen.
Der Ausflug in die Sternenwelt ist ein faszinierendes Abenteuer, das Jung und Alt begeistert. Eines können die Reisen ins Weltall allerdings nicht bieten: den gemeinsamen Blick von unserem Heimatplaneten auf Sternschnuppen, die vom Himmel fallen und bei denen man sich etwas wünschen kann.

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